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Wohnungssuche in Madrid 2002



Wohnungssuche für Anfänger und für Fortgeschrittene

Ich ziehe am 01.01.2003 nach Madrid und habe meine Woche Urlaub im Oktober dazu genutzt, mir schonmal eine Wohnung, ein Bankkonto und eine Krankenversicherung zu besorgen.

Gute Infoquellen muss man kennen

Ein paar Kontakte bezüglich Wohnung hatte ich unter www.multimadrid.com/classifieds /accom/wanted geknüpft, eine Site, die ich sehr weiter empfehlen kann. Dort kann man auch als Suchender Anzeigen unentgeltlich schalten. Diese Site wird monatlich in der letzten Woche des Vormonats aktualisiert.

Typisch deutsch wollte ich natürlich meinen Urlaub stramm durchorganisieren, denn eine Woche erschien mir für die Wohnungssuche ohnehin fast zu kurz. Nachdem ich mir mit einem Glas Wein Mut angetrunken hatte, denn als Autodidakt kann ich sehr gut schreiben und lesen, nur die Sprachpraxis fehlt ein wenig, rief ich dann am Sonntag vor der Abreise Federico an, der ein Zimmer zu vermieten hatte. Er war wirklich nett, man merkte aber sofort, daß er überhaupt nicht verstand, warum ich mich jetzt schon meldete um einen Termin für Donnerstag auszumachen. Ich sollte mich dann am Mittwoch Abend nochmal melden! Also gut. Die anderen habe ich dann gar nicht mehr erst angerufen, deren Reaktion konnte ich mir ja nun denken.

Die Adressen der Krankenkassen hatte ich mir bei www.paginasamarillas.es rausgesucht und da ich momentan selbst noch bei der Citibank arbeite, war auch da schonmal klar, wohin ich gehe.

Als ich dann am Mittwoch Nachmittag ankam, habe ich mir erstmal Segunda Mano gekauft, in der man auch je nach Jahreszeit ein riesiges (nicht immer gutes) Angebot von Zimmern und Wohnungen findet. Letztendlich brauchte ich sie gar nicht.

Das Bankkonto eröffnen

Am Donnerstag Morgen bin ich dann gleich zur Citibank und konnte dort ohne Probleme auch ohne (bis dahin) festen Wohnsitz in Madrid ein Konto eröffnen. Man muss nur daran denken, seinen Reisepass (nicht Personalausweis) mitzunehmen. Wenn man nicht gerade Citibank Mitarbeiter ist und die Kollegen in Spanien von daher ein Auge zudrücken, sollte man noch 3.000 EUR auf das Konto einzahlen können. Die EC-Karte und den PIN hatte ich wie versprochen eine Woche später in Deutschland im Briefkasten.

Manches Zimmer versprach mehr als es hielt

Am Nachmittag ging ich zu Federicos Wohnung, um mir das Zimmer anzuschauen. Direkt hinter der Puerta del Sol. Erst fand ich das klasse, dachte: schön zentral, allerdings erwies sich diese Gegend als wenig ansprechend und ich stieg dann ein paar zerfaserte Holztreppen in einem abbruchreifen Treppenhaus hinauf. Die Wohnung war dann doch recht nett, allerdings hatte das Zimmer die Maße einer Gefängniszelle und als Fenster diente eine Durchreiche zum Wohnzimmer. Das ganze sollte dann 290 EUR kosten. Schlagartig fielen mir die teilweise seltsamen Formulierungen, die ich auch schon in Segunda Mano gelesen hatte, ein und nun konnte ich mir ungefähr vorstellen, was sie zu bedeuten hatten.

Ich also im Laufschritt aus der Wohnung, zurück ins Hotel und den nächsten auf meiner Liste angerufen. Das klappte dann auch gleich am selben Abend. Ich war viel zu früh und konnte mir noch die Wohngegend im Nordwesten von Madrid anschauen. Vielleicht kennen Sie das: man kommt aus der Metro biegt in die Straße ein und fühlt sich gleich wohl. So hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Der Vermieter kam auf die Minute pünktlich und die Wohnung im ganzen und das Zimmer haben mir auf Anhieb gefallen. Also haben wir sofort den Vertrag unterzeichnet und ich habe den “mes de fianza”, eine Kaution, am nächsten Tag auf sein Bankkonto eingezahlt. In Spanien wird meist möbliert vermietet, Dinge wie Mikrowelle, Waschmaschine, Kühlschrank und in meinem Fall sogar Bügeleisen etc. gehören zur Wohnungsausstattung, so daß man seine Möbel und Elektrogeräte in Deutschland getrost verkaufen kann.

Wie ich erfuhr, war es eine Ausnahme, daß er dieses Zimmer so weit im Voraus zu vermieten hatte. Eine Mitbewohnerin hatte meine Anzeige bei Multimadrid gesehen und mir geschrieben. Normalerweise werden Zimmer 3-4 Wochen, wenn nicht noch kurzfristiger, bevor sie frei werden, bei Segunda Mano inseriert. Also, kann man das Thema Wohnungssuche in Madrid ganz ruhig angehen, denn in vielen Fällen kann man sogar in den nächsten Tagen einziehen, wie mir Federico erzählte. Er fände das selbst ziemlich verrückt, aber so sei das in Madrid. Im Ernstfall kann man also erstmal in ein Hostal einziehen und sich dann in Ruhe umschauen. Das Hostal Horizonte scheint sich auf solche Fälle spezialisiert zu haben, den Eindruck hatte ich auf ihrer Homepage und sie sind auch ziemlich günstig.

Bei den Formulierungen in den Wohnungsanzeigen sollte man darauf achten, daß “pequeno” wirklich KLEIN bedeutet und “habitación interior” bedeutet meist, kein Fenster, oder eine Durchreiche in ein anderes Zimmer. Teuer ist es auch in Madrid. Ich zahle jetzt für ein 15 qm Zimmer in Gaztambide (ein sehr schöner Stadtteil) 390 EUR todo incluido. Das zahle ich in Düsseldorf für meine ganze 52 qm Wohnung warm. Aber nun gut!

Die Krankenversicherung ist ein Schnäppchen, bezogen auf deutsche Verhältnisse

Von Freitag bis Sonntag wurde ich von einer Grippe ans Hotelzimmer gefesselt und am Montag habe ich mich dann aufgemacht, eine Krankenkasse zu suchen. Zuerst war ich bei der Alianza Espanola S.A. de Seguros. Ein sehr netter Typ in einem kleinen Büro. Hat mir das Angebot ausgedruckt und den Antrag mitgegeben. Zum spanischen Gesundheitssystem erklärte er mir, daß es keine freie Arztwahl gibt, sondern man bekommt von seiner Krankenkasse ein Buch und man geht dann nur zu den Ärzten die man sich dort raussucht, ansonsten muss man selbst bezahlen und bekommt nur 80% der Kosten erstattet. Aber ich glaube sowiso nicht, daß in Deutschland die freie Arztwahl die Qualität der Behandlung steigert. Eine Zahnzusatzversicherung sollte man auf jeden Fall abschließen, sonst ist nur das Ziehen versichert.

Dann bin ich aber noch zur CIGNA Life Insurance Company. Die waren auch glatt 20 EUR günstiger und das Informationsmaterial war sehr aufschlussreich. Die Krankenkasse ist natürlich ungemein viel günstiger als in Deutschland, dafür hat man aber auch kein Rundum-Sorglos-Paket. Z.B. ist die Behandlung von Krankheiten die aus Alkohol- oder Drogensucht resultieren nicht versichert. Ebenfalls nicht versichert sind z.B. In-Vitro-Befruchtungen (kann man in Dt. 5x machen lassen), risikoreiche Sportarten und Verletzungen die man bei der Teilnahme an politischen Kundgebungen oder Demonstrationen erleidet und noch weiteres. Aber das fand ich nicht weiter beunruhigend, da mich all die ausgeschlossenen Dinge eh nicht betreffen. So kostet mich meine Krankenkasse jetzt 37 EUR im Monat und darüber musste ich natürlich leicht schmunzeln, worauf die Dame von der CIGNA dann meinte, daß sie schon gehört hätte, daß Versicherungen in Deutschland so teuer seien.

Wieder in Deutschland habe ich mir die Unterlagen dann in Ruhe durchgelesen und die ausgefüllten Anträge zurückgeschickt.

Die restliche Zeit bis zur Abreise am Mittwoch konnte ich dann noch ein bißchen als Urlaub nutzen, denn, und das hätte ich vorher nicht geglaubt, es hat ja alles geklappt wie am Schnürchen. Alle Sorgen und Gedanken, die ich mir vorher gemacht hatte, waren völlig umsonst gewesen. Jetzt muss ich mir ab Januar 2003 “nur” noch einen Job suchen.

Sprache und Leute

Meine Bedenken wegen der Sprache waren ebenfalls nach ein paar Tagen zerstreut. Denn die meisten Spanier konnte ich sehr gut verstehen und wenn mal jemand zu schnell sprach, ist ihm das meist selbst aufgefallen und dann wurde langsamer gesprochen. Natürlich hatte ich mir nach jedem Gespräch noch Gedanken gemacht: Mensch, da hättest du das Plusquamperfekt nehmen müssen und da hättest du besser dieses oder jenes Wort benutzt, aber das vergeht mit der Zeit. Denn die Spanier setzen einen nicht unter Druck, grammatisch perfekt sprechen zu müssen (im Gegensatz zu den Franzosen), das tut man nur selbst.

Überhaupt sind mir die Menschen dort sehr angenehm, wobei man das auch nicht generalisieren kann. Als in der Metro das erste mal ein Mann aufstand um einer Frau seinen Sitzplatz anzubieten, habe ich das noch für eine Ausnahme gehalten, aber auf meinen unzähligen Metrofahrten geschah das ständig. Sogar älteren Männern wurden Plätze angeboten. Sowas habe ich in Deutschland lange nicht mehr gesehen. Zu meinem Erstaunen verhalten sich Spanier auf der Arbeit ganz anders. Egal ob im Hotel, im Café, in der Apotheke (die ich leider mehrmals aufsuchen musste), am Metroticketschalter oder auch bei der Citibank (wenn man nicht gerade ein Konto eröffnet), waren die Leute meistens kurz angebunden bis unfreundlich.

Bei privaten Kontakten oder auf meiner Wohnungssuche wird man sehr freundlich behandelt, fast als würde man sich schon einige Zeit kennen. Dieser Gegensatz verwirrt mich etwas, aber vielleicht komme ich noch dahinter, warum das so ist. In Marokko begegnet man dem gleichen Phänomen. Dort liegt es daran, daß die Berber jede Art von Servicetätigkeit (jemandem dienen) als sozial minderwertig empfinden und sie dementsprechend ungern ausüben.

In Spanien wird man schnell zum Freund. Das habe ich auf meiner Wohnungssuche festgestellt. Als mich der Vermieter fragte, woher ich das mit dem Zimmer wüsste, habe ich ihm von meiner Anzeige und Marie Laures Antwort darauf erzählt. Der anderen Mitbewohnerin, die uns die Tür öffnete, wurde ich vom Vermieter dann gleich als Marie Laures Freundin vorgestellt. Das habe ich selbst schon öfters erlebt und auch von anderen gehört, so dass ich für mich beschlossen habe, in Spanien die Begriffe Freund und Freundschaft nicht mehr halb so ernst zu nehmen, wie ich es in Deutschland tue. Auch auf die Gefahr hin, daß ich dem einen oder anderen Spanier damit in Zukunft Unrecht tun werde.

Tipps für den Umzug

Das Gepäck, das man nicht mit in den Flieger nehmen kann, kann man recht kostengünstig bei großen Speditionen als Beiladung mitbefördern lassen. In meinem Fall kosten 15 Umzugskisten von Düsseldorf nach Madrid 450 EUR von Wohnung zu Wohnung. Der Umzugstermin sollte 8 Wochen vorher feststehen.

Reiseliteratur

Als Lektüre kann ich folgendes empfehlen: Paul Ingendaay Gebrauchsanweisung für Spanien (Oktober 2002), Juan Goytisolo Spanien und die Spanier (auch wenn es schon von 1982 ist), Werner Herzog Spanien (1998) und Polyglott Land und Leute Spanien (2002).



von Nele Werkshage (insideMadrid-Leserin, 2002)
(abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Autorin)



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