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Meine Ankunft in Madrid, mein Job und meine ersten Eindrücke

Nach dem vorläufig letzten Sylvester in Deutschland bin ich gleich am 01.01.03 nach Madrid geflogen. Etwas das ich jedem empfehlen kann. Da an diesem Tag so gut wie niemand fliegt, sitzt man vielleicht mit 30 Leuten in der Maschine für 200, die Stewardessen sind superfreundlich und entspannt. Kein Gedränge beim Ein- und Aussteigen oder am Gepäckband.


Meine WG

Dementsprechend gut gelaunt kam ich dann in meiner Wohngemeinschaft an, wo ich sehr nett empfangen wurde. Gleich am ersten Abend machte ich dann Bekanntschaft mit der spanischen Zentralheizung, die mir der Vermieter im Oktober so angepriesen hatte. Hier versteht man darunter wohl folgendes: Die Heizung läuft von 12:00 Uhr mittags bis Mitternacht auf vollen Touren, sodaß man den Heizkörper kaum anfassen kann. Nachdem ich erfolglos den Regler betätigt hatte, ging ich ins Wohnzimmer, um meine Mitbewohner zu fragen, wie man die Temperatur im Zimmer regelt. Nachdem sie sich von ihrem Lachanfall erholt hatten, sagten sie mir, daß man nur das Fenster öffnen könne. Soviel zu Umweltschutz und Energiewirtschaft! Zwichen Mitternacht und Mittag ist die Heizung dann komplett aus, sodaß einem nachts schon kalt werden kann (im Winter fallen die Temperaturen nachts oft auf unter 5° C).

Am nächsten Tag zeigte mir die Mitbewohnerin die Umgebung und führte mich auch gleich zu einem Plus-Supermarkt. Die Auswahl ist zwar etwas anders als in Deutschland, aber auch in Madrid ist es einer der günstigsten Supermärkte. Hocherfreut stellte ich fest, daß die meisten Produkte im Kühlregal auf deutsch beschriftet sind. Es sind die gleichen Artikel wie in Deutschland. Die Preise liegen ca. 10-20% unter den deutschen Preisen. Drogerieartikel sind jedoch erheblich teuerer als in Deutschland, da es in Spanien keine großen Drogerieketten gibt. Manchmal sind die Flaschen auch etwas größer.

In Apotheken einzukaufen ist manchmal etwas schwierig. Oftmals hören die Apotheker am Akzent, daß man Deutscher ist und versuchen einem die teueren WICK-Produkte anzudrehen, die hier viel teuerer sind als in Deutschland. Manchmal rücken sie erst auf hartnäckiges Nachfragen die billigeren einheimischen Produkte heraus. Im Notfall einfach rausgehen und eine andere Apotheke aufsuchen. So kosten z.B. 20 Paracetamol 0,77 Euro und Nasenspray 1,50 Euro! Leider gibt es hier das von mir im Winter so hochgeschätzte "Umkaloabo" nicht. Also, einen ausreichenden Vorrat aus Deutschland mitbringen und Nachschubquellen sichern!

Das Leitungswasser in Madrid kann man ohne Bedenken auch in großen Mengen trinken, davon bekommt man keinen Durchfall.


deutschsprachige Bücher

An Buchhandlungen gibt es hier einige die auch deutsch Bücher anbieten. Die Auswahl ist zwar meist bescheiden und umfasst oftmals nur die bekanntesten klassischen deutschen Autoren, aber gegen Aufpreis von 2-5 Euro pro Buch und einer Wartezeit von 8-10 Tagen kann man nach Herzenslust bestellen. Zum Beispiel bei:

(1) Pasajes Libreria Internacional, Calle Génova 3, Metro Alonso Martinez,
(2) FNAC, Plaza Callao, Metro Callao,
(3) die Filialen von Corte Inglés (die einzige große Kaufhauskette in Spanien),
(4)
außerdem liefert auch AMAZON.de gegen Kreditkartenbestellung nach Spanien.


Die spanische Sprache

Wer, wie ich, in Deutschland glaubt gut spanisch zu sprechen, wer spanische Romane liest ohne besonders oft in Wörterbuch zu schauen und wer Emails ohne Probleme flüssig auf spanisch runterschreibt, muss die Selbsteinschätzung seiner Fähigkeiten hier sehr schnell anpassen.

Im Urlaub war mir das nie so aufgefallen, weil man als Tourist wahrscheinlich anders behandelt wird, oftmals mit deutschen Freunden unterwegs ist und im Hotel deutsches Fernsehen hat.

Aber wenn man in einer WG mit Spaniern, Amerikanern, Japanern und Franzosen lebt, nur noch die Auswahl zwischen der überwältigenden Anzahl von 5 spanischen Fernsehsendern hat und außerhalb der Touristenzonen auch noch Lebensmittel einkaufen geht, dann merkt man schnell, daß man noch eine Menge zu lernen hat. Die Amerikanerin gab mir einen guten Rat: Man kaufe sich ein paar von diesen Revistas (spanische Zeitschriften wie HOLA, SEMANA, etc.) und lese sie sich selbst laut vor. So lerne man, besser und schneller zu sprechen. Daneben lerne man auch die Umgangssprache besser zu beherrschen. Wenn man das täglich ein paar Stunden mache, dann merke man nach ein paar Tagen schon deutliche Fortschritte!


Arbeitssuche

Für die Arbeitssuche kann ich wärmstend www.infojobs.es empfehlen. Hier habe ich auch meinen Job gefunden. Außerdem gibt es hier auch eine einigermaßen große Nachfrage an deutschen Muttersprachlern!


Madrid ist keine Modehauptstadt

Das viel mir gleich zu Anfang auf. Aber vielleicht bin ich als langjährige Düsseldorferin und Rom-Liebhaberin da auch ein bischen geschädigt ;-)

Die Innenstadt von Madrid wimmelt nur so von Billigläden wie Pimkie, Orsy und div. spanischen Marken. Wer in Deutschland bei Benetton, Esprit, Stefanel oder Street One eingekauft hat, glaubt erstmal er müsse von nun an zweimal jährlich nach Deutschland fliegen. Aber da gibt es einen Stefanel auf der Calle Serrano, allerdings teuerer als in Düsseldorf oder Rom! Esprit gibt es gar nicht und nur noch einen kleinen Benetton (Plaza Callao/Metro Callao).

Auf den ersten Blick scheint es in Madrid nur entweder sehr billige (und qualitativ minderwertige) oder sehr teuere (und auch sehr gute) Kleidung zu geben. Aber die Calle Fuencarral und der Mercado de Fuencarral haben dann doch einiges Interessantes zu bieten (die zur Zeit hippe und etwas ausgeflippte Einkaufsmeile mit vielen kleinen Boutiquen, Metro Gran Via, Metro Chueca, Metro Tribunal). Allerdings sind die Preise etwas höher als in Deutschland und ab 35 Jahren eh nicht mehr zu empfehlen. Hier wird ausschließlich junges und flippiges Publikum angesprochen (auch die homosexuelle Szene). Interessant sind insbesondere die japanischen Designer.

Für Fans der Lederbekleidung, dazugehörigen Hemden und Stoffhosen kann die Calle Toledo, Ecke Calle Concepción Jeronimo und da besonders das Geschäft Marihuana empfohlen werden.


Tarjeta de Residencia

Bei diesem Thema darf man sich nicht wild machen lassen. Auch wenn es viele anders erzählen: man braucht die Tarjeta weder um ein Bankkonto zu eröffnen (zumindest nicht bei der Citibank), noch um eine Krankenversicherung abzuschließen und auch nicht, um einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben oder gar anzutreten!

Für Nicht-EU-Ausländer mag das anders sein, aber für Deutsche ist die Tarjeta de Residencia eine reine Formsache und wir haben sogar ein Recht auf sie!

Bei diesem langwierigen Verfahren bleibt auch nichts anderes übrig, als seinen Arbeitsplatz ohne sie anzutreten.

Gleich am 06.01.03 habe ich mich angemeldet zur Comisaria Tetuan (Metro Valdeacederas, dann südlich auf der Plaza Remonte, diesen ganz überqueren und das Gebäude am Ende rechts umrunden). Dort stand ich dann Schlange um mir am Ende ein Formular und eine Telefonnummer in die Hand drücken zu lassen. Dort muß man anrufen und bekommt eine Nummer diktiert, die mit dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens endet und das Datum und die Uhrzeit der "Cita Previa" (seinen Termin). An diesem Datum muß man mit dem ausgefüllten Formular und weiteren Unterlagen wiederkommen. Meinen Termin hatte ich dann am 12.05.2003! Danach dauert es noch ein paar Wochen, bis ich meine Tarjeta abholen kann. Unglaublich!

In Deutschland muß man sich als Spanier bloß beim Einwohnermeldeamt anmelden und muß dann die Kopie der Meldebescheinigung beim Arbeitgeber abgeben. Das dauert dann wohl, glaube ich, eine halbe Stunde!

Ich würde deshalb raten, schon Monate vor der Abreise aus Deutschland in der Comiseria anzurufen und sich ein Datum für die "Cita Previa" geben zu lassen.

Die Nummer lautet: 0034-900 610 620 (09:00 - 14:00 Uhr).

Folgende Unterlagen braucht man:

  • Vier Passfotos, die alle identisch sind, in Farbe und mit weissem Hintergrund.
  • Gültiger Reisepass
  • Dann entweder:
  • Arbeitsvertrag über mind. 3 Monate,
  • oder: bei bestehendem Arbeitsverhältnis: Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung aus der hervorgeht, dass man dort immer noch arbeitet,
  • oder: Krankenversicherung,
  • oder: Studienbescheinigung,
  • oder: Kontoauszug über mind. 5.400 Euro,
  • oder: Rentenbescheinigung

    Bei einem befristeten Arbeitsvertrag, Krankenversicherung und Barmitteln i.H.v. 5.400 Euro bekommt man die Tarjeta für ein Jahr befristet. Alle Unterlagen sind im Original und als Kopie zur Cita mitzubringen.

Abono de Transporte

Die Monatskarte für Metro/Bus bekommt man in jedem Tabak-Geschäft. Achtung! Nicht in den Verkaufshäuschen der Metro. 1 Foto und den Reisepass mitbringen. Der Verkäufer macht einem für 1,20 Euro den Ausweis fertig. Allerdings lohnt sich diese Monatskarte für das Zentum nur, wenn man mehr als 60 mal/Monat fährt. Ansonsten ist die normale 10er Karte (diez viajes) besser (diese bekommt man in jeder Metro-Station).


Feedback & Kontakt

Also ich hoffe das Lesen hat ein bischen Spaß gemacht und die Infos helfen weiter. Für Feedback, weitere Infos oder Erfahrungsaustausch könnt ihr mich erreichen unter:

werkshage@web.de oder
kontakt@insidemadrid.de


Von Nele Werkshage (insideMadrid-Leserin 2003)
(abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

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