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Reportage: “Ankunft in Madrid”

Flüge nach Madrid

Madrid, als ich zum ersten Mal hierherkam, wußte ich noch fast nichts über diese Stadt. Ich hatte mir einen Reiseführer gekauft, einen dieser, die die Hälfte ihres Inhaltes den Museen und der Kunst widmeten. Nur bei den praktischen Überlebenstipps, da ließ mich mein Führer fast ganz im Regen stehen. Aber egal, denn das wußte ich ja nicht.


Der Flughafen ist übersichtlich und hat eine gute Anbindung.

Ich kam im März an, und als ich den Flughafen Barajas verließ – der übrigens sehr übersichtlich ist, nahm ich ein Taxi. Die ersten Eindrücke. Diszipliniert stellten sich alle in eine Schlange und einer nach dem anderen bestieg das Taxi. Das überraschte mich. Alles gut organisiert. War das Spanien und Madrid wie es tatsächlich ist?

So verließ ich nun den Flughafen. Eine Metrostation befindet sich übrigens genau im Flughafen und verbindet diesen schnell und bequem mit der Innenstadt. Daneben gibt es Busse, die einen schnell in das Zentrum der Stadt bringen. Doch als ich ankam wußte ich das alles noch nicht. Ich wußte zwar wieviele Räume der Prado hat, aber das mit den Bussen und der Metro habe ich nicht gleich gefunden, in meinem Führer. Egal. Ich musste eh zu meiner Unterkunft in der Innenstadt. Da ich nicht wußte wo das war, erschien es mir sowieso bequemer auf die Ortskenntnisse eines Taxifahrers zurückzugreifen. Also gab ich dem Fahrer die Adresse, die ich mir vorher aufgeschrieben hatte – meiner Aussprache auf spanisch vertraute ich noch nicht. So fuhren wir los und ich verfluchte mich, meine Sonnenbrille lag noch in meinem Koffer, die Sonne schien und nach der Winterzeit in Deutschland waren es hier in Madrid bereits 20 Grad und das Anfang März. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Nach einer Viertelstunde der erste Stau und der Fahrer begann zu fluchen. Zu allem Unglück begann er eine Konversation mit mir, spanisch sprach ich noch nicht und er weder deutsch noch englisch. Aber das war ihm egal, ich seufzte. Das Taxameter lief langsam weiter – in Peseten. Ich begann zu rechnen. Wie war das noch gleich mit dem Kurs? Ach die Zeit vor dem EURO, wie abenteuerlich sie doch war. Ich versuchte es erneut im Kopf und verfluchte mich erneut, denn auch mein kleiner Taschenrechner war noch in meinem Koffer. Wahrscheinlich Hand in Hand mit meiner Sonnenbrille. Ich gab es auf.


Staus und hupende Autos sind allgegenwärtig.

Jäh wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Mein Fahrer begann wie wild zu hupen und kurz darauf noch ca. 30 andere Autos. Sogar die Autos auf der entgegenkommenden Seite schienen solidarisch und betätigten ihre Hupe beim Vorbeifahren. Klar denn jetzt verstand ich auch wieso wir hier im Stau steckten. Ein Autofahrer vor uns hatte in zweiter Reihe geparkt und ein Bus kam nun nicht mehr vorbei. Langsam kam nun der Fahrer aus einer Cafeteria und stieg ein – nicht ohne in Richtung der wartenden (und hupenden) Autos zurückzuschimpfen. Endlich gings weiter. Wir bogen in die Castellana ein, der großen Verkehrsachse des Zentrums. Hier verlaufen in jeder Richtung 4-5 Spuren und die Blechlawine schiebt sich immer langsam voran.

Von fließendem Verkehr hat man hier noch nichts gehört, denn alle 200 Meter “regeln” Ampeln den Verkehr. Als wir nun in die Castellana einbogen, sah ich wie auf der Kreuzung 5 Polizisten den Verkehr regelten, mit wildem Gepfeife und fuchtelnden Armen. Nicht ganz klar war mir, was es mit dem Getrillere auf sich hatte und auch verstand ich nicht wieso sie den Verkehr genau nach den Ampelphasen regelten. Warum stellt man Polizisten auf die Strasse, wenn die den Verkehr genau nach den Ampelphasen regeln? Aber jede Stadt hat so seine Geheimnisse. Hupend und fluchend fädelte sich mein Fahrer nun in den Verkehr ein. Was er da ständig zu mir sagte verstand ich nicht. Aber wie gesagt, jede Stadt hat so ihre Geheimnisse.


Kleine Gassen prägen das Strassenbild im Zentrum.

Endlich kamen wir zur Puerta del Sol, dem Zentrum des Zentrums. Es war 16:00 Uhr und die Strassen waren fast leer. Wie exotisch alles wirkte, die Architektur, die Strassen, die Werbung, die Geräusche, die Namen der Geschäfte, die Sprache, ja selbst das Wetter. Ich war guter Dinge, denn so hatte ich mir das auch irgendwie vorgestellt. So sollte das sein.

Mein Taxi schlängelte sich durch kleine Gassen und vor den Kurven und Einmündungen hupte mein Fahrer ständig. Eins viel mir auf, irgendetwas fehlte hier. Irgendetwas, ich wußte noch nicht was – dann wurde es mir klar, es gab keine Fahrradfahrer, nicht einen Einzigen hatte ich gesehen. Schnell ging es weiter, über Plätze und Brücken. Ich hatte die ganze Zeit aus dem Seitenfenster gesehen, jetzt schaute ich nach vorne. Eine, zwei, drei Ampeln überfuhren wir bei rot, aber hupend. Ich erschreckte. Wo war eigentlich der Sicherheitsgurt im Taxi? Ich versuchte mich zu entspannen.

Endlich nach einer halben Stunde Fahrt kamen wir an. Ich gab dem Fahrer ein viel zu hohes Trinkgeld, aber das wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht – ich wußte aber wieviele Räume der Prado hat, immerhin.

So fing mein erster Tag in Madrid an – eigentlich sollte es nur ein Jahr werden, jetzt lebe ich immer noch hier.



von Christof Dahl (2002)
 

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